Wissenswertes über Faszien

 

Wozu Faszien trainieren?

 

Nicht nur unsere Beweglichkeit, auch unsere Kraft und Verletzungsanfälligkeit hängt von dem Zustand unserer Faszien ab.

 

Durch Bewegungsmangel, Schonhaltungen, Operationen oder auch psychischen Stress und der damit verbundenen ständigen Anspannung im Körper verkleben unsere Faszien.

Sind Faszien verklebt, verhärtet oder verkürzt nehmen die elastischen (also dehnbaren) Anteile ab und sie werden starr und unbeweglich. Die Folge davon ist, dass sie den Bewegungsspielraum unserer Muskulatur und der Gelenke eingrenzen und damit die Gesamtbeweglichkeit des Körpers entscheidend beeinflussen. Stellen Sie sich das vor wie eine Gummibärchen-Schlange: Frisch aus der Tüte ist sie noch elastisch und dehnbar. Liegt sie in paar Tage offen auf dem Tisch wird sie hart und hat ein Vielfaches ihrer Elastizität verloren!

 

Außerdem spielen Faszien eine entscheidende Rolle bei der Kraftübertragung. Sie dienen als Energiespeicher und geben ihre durch die Dehnspannung erzeugten Kräfte an die Muskeln weiter, die diese Kräfte dann um ein vielfaches verstärken können. Je elastischer die Faszien, desto mehr Kraft kann erzeugt und weitergegeben werden. Denken Sie hier an das Känguru, das viel weiter springen kann als man durch die reine Muskelkontraktionskraft ihrer Beinmuskeln erklären könnte. Die Sehnen und Faszien der Beine werden wie elastische Gummibänder vorgespannt - beim Loslassen ermöglicht dann die darin gespeicherte, kinetsiche Energie diese erstaunlichen Sprünge von zum Teil mehr als 10m (Katapult-Effekt).

 

Aber Faszien sind noch viel mehr! Sie sind Sinnesorgan (in unseren Faszien befindet sich die grösste Anzahl an Rezeptoren und Nervenenden die unser Gehirn mit Sinnesempfindungen überschüttet), formen unseren Körper (unsere Faszien passen sich über Monate hinweg den unterschiedlichen Belastungen des Körpers an und sind somit maßgeblich für unser Erscheinungsbild verantwortlich) und verbinden unsere Körperteile miteinander. Dadurch lassen sich u.a. Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen erklären. Zum Beispiel kann eine verklebte Wadenfaszie über die rückseitige Beinmuskulatur auch einen (schmerzhaften) Einfluss auf den unteren Rücken oder sogar die Schulter ausüben. Ein gesundes Bindegewebe, fest und elastisch zugleich, garantiert dagegen eine Belastbarkeit von Sehnen und Bändern, vermeidet schmerzhafte Reibereien an unseren knorpeligen und knöchernen Elementen und schützt die Muskulatur vor Verletzungen!

 

Im Umkehrschluss bedeutet das also: Durch regelmässiges Training des Fasziennetzes bleibt unser Körper geschmeidiger, kraftvoller und weniger anfällig für Schmerzen und Verletzungen!

 

Die Thoracolumbar Faszie im Bereich der Lendenwirbelsäule ist eine der dicksten Faszienschichten. Hier konnten Forscher besonders viele (auch zahlreiche freie) Nervenenden nachweisen, die besonders auf Schmerzwahrnehmung spezialisiert sind. Ein Grund, warum die Lendenwirbelsäule so anfällig ist.